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Frührehabilitation

    Schritt für Schritt zurück in den Alltag

    Eine zentrale Versorgungsaufgabe der Kinderklinik Schömberg ist die Frührehabilitation. Sie bildet die Schnittstelle zwischen Akutversorgung und Rehabilitation und wird beispielsweise nach einem schweren Unfall mit Polytrauma oder Verletzungen von Gehirn und Rückenmark, nach Beinahe-Ertrinken oder einer lebensbedrohlichen Erkrankung notwendig.

    Frührehabilitation beschreibt die intensive und einfühlsame pflegerische, therapeutische sowie medizinische Betreuung der betroffenen Kinder und Jugendlichen und deren Familien. Dieser Weg „zurück ins Leben“ kann wenige Wochen dauern, aber auch viele Monate und in Einzelfällen länger als ein Jahr. Unser medizinisches Personal verfügt über viel Erfahrung in der medikamentösen Behandlung der teils schwerwiegenden und langandauernden Begleitsymptome dieses Prozesses, der auch Remission genannt wird.

    Relativ häufig führt ein erlittener Hirnschaden zur Ausbildung einer symptomatischen Epilepsie, die wir in der Kinderklinik Schömberg mit viel Erfahrung diagnostizieren und behandeln können.

    Darüber hinaus führen wir weitere Maßnahmen im Rahmen der Frührehabilitation durch. Zum Beispiel können, wenn es der Befund zulässt, tracheotomierte Patienten und Patientinnen von der Trachealkanüle entwöhnt werden. Auch bei Ernährungsschwierigkeiten bieten wir unterschiedlichste Therapieansätze. Lagerung und Mobilisation werden überwiegend durch unser Pflege- und Therapeutenteam realisiert.

    Ganz wichtig ist es für uns, Patienten und Patientinnen sowie deren Familien im Rahmen des Entlassungsmanagements ausführlich zu beraten und zu unterstützen.


    Schwerpunkte der Frührehabilitation

    Jede Frührehabilitation verläuft anders und positive wie negative Entwicklungen sind nicht immer vorhersehbar. Daher sind Voraussagen über den Verlauf insbesondere zu Beginn der Behandlung nicht sinnvoll und zielführend.

    Im Gegensatz zur Gesamtprognose besteht ein gutes Verständnis für einzelne sehr regelhaft verlaufende Teilaspekte des Remissionsverlaufes. Die folgende Auflistung beschreibt die wichtigsten dieser Teilaspekte.

     

    Schmerzen und das sogenannte Durchgangssyndrom mit Unruhe, Muskelanspannung, Herzrasen, Schwitzen und aufgehobenem Schlaf-Wach-Rhythmus sind typisch für die frühe Remissionsphase. Häufig folgen Symptome, die auch das Bild einer Cerebralparese prägen können und deshalb grundsätzlich dieselben Behandlungsmöglichkeiten umfassen. Hier, sowie bei der Behandlung anderer häufiger Begleitsymptome, zum Beispiel Verdauungsschwierigkeiten oder depressive Episoden, helfen wir den Patienten und Patientinnen mit unserer Erfahrung.

    Eine Dekanülierung, also die Entfernung der Trachealkanüle, hängt stark von der jeweiligen Situation ab. Eine Entscheidung über das entsprechende Vorgeben treffen wir in enger Zusammenarbeit mit der Logopädieabteilung. Ausschlaggebend sind dabei der neurologische Befund und eine sorgfältige Einschätzung der klinischen Schluckfunktion, gegebenenfalls ergänzt durch eine endoskopische Schluckuntersuchung (FEES). Bei erfolgversprechender Befundkonstellation setzen wir die Dekanülierung schrittweise um.

    Wenn nichts dagegenspricht, streben wir stets einen oralen Nahrungsaufbau an. Bei längerfristigen oralen Ernährungsschwierigkeiten erfolgt eine umfassende Aufklärung über die Vor- und Nachteile der Ernährung mit nasogastraler bzw. PEG-Sonde. Im Falle einer PEG-Anlage erfolgt diese im Rahmen einer kurzen Verlegung.

    Lagerungskonzepte können ganz unterschiedlichen Zielen dienen und werden von uns ganz individuell eingesetzt. Dekubituslagerung beugt der Entstehung von Liegegeschwüren (Dekubitus) vor bzw. wirkt unterstützend bei dessen Heilung; Drainagelagerungen helfen im Falle von Schluckstörungen bei der Exspektoration von Sekretansammlungen im Bereich von Trachea und Bronchien; die Lagerung in Neutralnullposition reduziert Anspannung und Schmerzen.

    Mobilisierung kann eine wichtige Rolle in der Frührehabilitation spielen. Sie erlaubt mehr Teilhabe, unterstützt die Tagesstruktur und ermöglicht Therapien in speziellen Therapieräumen. Darüber hinaus wirkt Mobilisation zum passiven Stehen tonussenkend, atemanregend sowie kreislaufstabilisierend und beugt Osteoporose vor.

    Typische Zwischenziele einer Frührehabilitation sind Mobilisation in den Rollstuhl und/oder in einen Stehständer. Daran schließen sich Übungen in verschiedenen Lauflerngeräten und gegebenenfalls Bewegungstrainern an. Diese stehen in der Kinderklinik Schömberg für alle Patientengrößen zur Verfügung.

    Die Lagerungs- und Funktionsorthesenversorgung erfolgt immer angepasst an das jeweilige Remissionsstadium. Die Versorgung kann entweder provisorisch durch die Therapeuten stattfinden oder in Zusammenarbeit mit Sanitätshäusern. So realisieren wir zuverlässig die Versorgung auch mit sehr speziellen und individuell angepassten Lagerungssystemen.

    Die Wiederherstellung der körperlichen und geistigen Funktionen gelingt aufgrund der schweren Gehirnschädigung oft nur teilweise. Damit rückt die Unterstützung der ganzen Familie bei der Vorbereitung auf die neue Lebenssituation in den Mittelpunkt. Unser Team im Entlassungsmanagement steht den Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite, damit diese sich frühzeitig und umfassend auf die Rückkehr nach Hause vorbereiten können. So schaffen wir einen möglichst nahtlosen Übergang von der Behandlung im Krankenhaus in den Alltag.

    Weitere Informationen finden Sie auch unter

    Entlassmanagement
    Kliniksozialarbeit

    Fachbegriffe einfach erklärt

    Der Aufbau der Atemwege kann mit einem Baum verglichen werden. Den Stamm bildet die Luftröhre, auch Trachea genannt. Diese verästelt sich zuerst in die Hauptbronchien, dann immer weiter bis zu den Bronchiolen. An deren Ende befinden sich ähnlich den Blättern des Baumes die Lungenbläschen, auch Alveolen genannt, in denen der Gasaustausch erfolgt.

    Dekanülierung bezeichnet das Entfernen der Trachealkanüle, wie es auch für einen Wechsel der Kanüle notwendig ist. Von Dekanülierung wird meist im Zusammenhang mit einer langfristigen Entfernung gesprochen, wenn auf die Kanüle bei gebesserter Schluck- und Atemfunktion voraussichtlich dauerhaft wieder verzichtet werden kann.

    Hervorbringen, Herausbringen, Abhusten

    Abkürzung für: fiberoptische endoskopische Evaluation des Schluckaktes. Bei dieser Schluckuntersuchung wird das (nur wenige Millimeter breite) Endoskop über die Nase in den Rachen eingeführt. Es können dann spezielle Funktionsprüfungen erfolgen und in Echtzeit das Schlucken von Flüssigkeit und Speisen mitverfolgt werden. Nach Abschluss der Untersuchung kann eine Nachbetrachtung des Befundes in Zeitlupe erfolgen.

    Ungefähr die Position, die im entspannten Stehen mit Blick nach vorne, mit annähernd geschlossenen Beinen und leeren, an der Rumpfwand seitlich locker nach unten hängenden Armen eingenommen wird.

    Äußerlich angelegtes medizinisches Hilfsmittel zur Beeinflussung von Körperhaltung und/oder Körperfunktion, z.B. Gehorthese, Korsett oder Lagerungsorthese.

    perkutane endoskopische Gastrostomie, also ein perkutan, d.h. durch die Haut geschaffener künstlicher Magenzugang, in dem meist eine PEG-Sonde liegt, über die bei schluckgestörten, bewusstseinsgetrübten oder anderen schwer betroffenen Patienten die Versorgung mit Flüssigkeit, Nahrung und Medikamenten sichergestellt werden kann, wenn die Verdauungsfunktion dies erlaubt.

    Verletzung mit Beteiligung mehrerer Körperteile oder Organsysteme, wobei entweder eine dieser Verletzungen allein oder die Kombination daraus unmittelbar lebensbedrohlich ist.

    Diese wird auch strukturelle Epilepsie genannt. Sie bildet sich als Folge eines erlittenen Hirnschadens oder einer angeborenen Hirnaufbaustörung aus. Die Epilepsie ist in diesen Fällen „nur“ ein Symptom der Grunderkrankung.

    Reduktion einer (krankhaft) erhöhten Grundanspannung der Muskeln (Muskeltonus) in Ruhe

    Luftröhre, vgl. auch Bronchien

    Der Anatomie eines Tracheostomas, also eines Luftröhrenschnittes, und der Luftröhre angepasste Kanüle („Rohrstück“), meist aus Kunststoff. Sie hält den Luftröhrenschnitt offen und ermöglicht Atmung unter Umgehung der oberen Atemwege. Trachealkanülen sind in vielen verschiedenen Größen mit vielen verschiedenen Zusatzfunktionen, z.B. sogenannte „Sprechkanülen“ erhältlich.